Kastrationspflicht für Hauskatzen?

Verfasst am: Sonntag, 21. Februar 2010

In Paderborn ist es, in Düsseldorf wird es zur Pflicht: Katzen, die das Haus verlassen dürfen, sollen sich nicht mehr fortpflanzen können. Geschätzte zwei Millionen verwilderte Katzen streifen in Deutschland durch Parks, Hinterhöfe und Gärten. Die Tierheime sind voll, viele haben sogar einen Aufnahmestopp verhängt. Sogar Tierschützer rufen nun nach radikalen Maßnahmen – und finden bei den Kommunen zunehmend Gehör. Möglichst viele der nach Schätzungen etwa über 8 Millionen Katzen in deutschen Privathaushalten sollen beim Tierarzt zur „Zwangskastration“ antreten, um die Katzenflut einzudämmen. Für die Kosten dieses Eingriffs sollen die Besitzer aufkommen.

Als Vorreiter kann Paderborn auf gute Erfahrungen verweisen. Dort müssen Katzen, die den Haushalt verlassen, kastriert sein. Andernfalls droht dem Besitzer ein Bußgeld in Höhe von 120 Euro. Das Kastrationsgebot sei sehr gut angenommen worden, berichtet Udo Olschewski, Leiter des städtischen Ordnungsamtes. Jährlich würden zwischen 500 und 600 Katzen kastriert, im Jahr 2009 seien es fast 800 Katzen gewesen. „In vielen Tierheimen konnten die Aufnahmestopps für Katzen wieder aufgehoben werden“, so Olschewski.

In Düsseldorf steht die Kastrationspflicht kurz bevor. Zwei Ausschüsse des Stadtrates haben schon mit parteiübergreifender Mehrheit zugestimmt. Peter Steinbüchel, Leiter des Amtes für Verbraucherschutz in Düsseldorf, sieht in der Kastrationspflicht das „Gebot der Stunde“. Den Plan, alle Hauskatzen zu kastrieren, hat die Tierschutzorganisation Peta angestoßen. Sie schrieb 120 Städte an, um sie von der Kastrationspflicht zu überzeugen. Inzwischen hätten viele Kommunen Interesse signalisiert. In Kontakt stehe man etwa mit Lokalpolitikern in Duisburg, Aachen und Siegen.

NRW-Umweltminister Uhlenberg (CDU) unterstützt den Kurs und empfiehlt den Kommunen, die Kastrationspflicht einzuführen – besonders dort, wo die Vermehrung der frei lebenden Tiere ein Problem ist. „Eine unkastrierte Katze kann in mehreren Jahren auf viele tausend Nachkommen kommen“ sagt Nadja Kutscher von Peta. „Katzen sind auf den Menschen und die tierärztliche Versorgung angewiesen. Auf lange Sicht kann nur ein Kastrationsgebot helfen.“  Katzenzüchter seien von der Kastrationspflicht ausgenommen.

 Das bei einer flächendeckenden Kastrationspflicht die Hauskatze bald vom Aussterben bedroht ist, glaubt Kutscher nicht. „Darüber müssen wir uns noch keine Gedanken machen.“

(Auszüge aus einem Artikel der Aachener Zeitung, Nummer 41, 18. Februar 2010)

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